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Ukraine: Empathie als Ressource im Krieg

Empathisches Zuhören, Erkennen von Belastung und die Stärkung innerer Stabilität

Krieg zerstört nicht nur Häuser, Straßen und Stromnetze. Er hinterlässt auch tiefe emotionale Spuren. In der Ukraine prägen Dauerstress, Verlust und Überforderung den Alltag vieler Menschen. Oft fehlt der Raum, das Erlebte auszusprechen oder innezuhalten – genau hier setzt das Empathie-Projekt von Pro Peace an.
Teilnehmer*innen eines Workshops des Empathie-Projekts in Lviv hören der Leiterin zu.
© Pro Peace

Das Projekt unterstützt Menschen, die besonders unter den Folgen des Krieges leiden: vertriebene Familien, trauernde Angehörige, aber auch jene, die andere begleiten und unterstützen. Lehrkräfte, Sozialarbeiter*innen oder Mitarbeitende in Behörden stehen unter großem Druck. Sie müssen Verantwortung tragen und funktionieren – auch dann, wenn sie selbst kaum noch Kraft haben.

In dem stetig wachsenden Empathie-Netzwerk arbeiten landesweit 30 geschulte Empathiegeber*innen, die Selbsthilfegruppen, Coachings und Workshops anbieten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht Therapie im klassischen Sinn, sondern empathisches Zuhören, das Erkennen von Belastung und die Stärkung innerer Stabilität. Die Angebote schaffen geschützte Räume, in denen das ausgesprochen werden darf, was im Alltag oft keinen Platz hat – und in denen Menschen erfahren, dass sie mit ihrer Erschöpfung nicht allein sind.

Praktische Übungen unterstützen die Teilnehmenden dabei, Stress früh zu erkennen und Konflikten vorzubeugen.

Die Arbeit findet unter extremen Bedingungen statt: online und vor Ort, teils während Stromausfällen oder zwischen Luftalarmen. Doch der Bedarf ist groß: Allein im vergangenen Jahr erreichte das Netzwerk mehr als 2.000 Teilnehmende.

Wie wirksam dieser Ansatz ist, zeigt die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Lviv. Mitarbeitende, die täglich mit traumatisierten Bürger*innen zu tun haben oder schwierige Nachrichten überbringen müssen, lernten dort, einfühlsam zu kommunizieren, mit starken Gefühlen umzugehen und Konflikte früh zu entschärfen. Für viele war es neu und entlastend, dass auch ihre eigene Belastung gesehen wurde. Nach den Trainings berichteten sie, dass sie sich spürbar ruhiger fühlten und in angespannten Situationen präsenter reagieren konnten.

Ein zentrales Prinzip des Empathie-Projektes ist die Weitergabe des Gelernten. Teilnehmende nutzen die Methoden in ihrer eigenen Arbeit weiter, gründen Selbsthilfegruppen oder werden selbst Teil des Netzwerks. So verankert sich Empathie dauerhaft in lokalen Strukturen – mit konkreten Folgen: weniger Überforderung, weniger Eskalation und mehr gegenseitiges Verständnis. Mitten im Krieg entstehen auf diese Weise kleine, aber entscheidende Friedensinseln im Alltag.

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