Pro Peace im Westlichen Balkan
Kaum eine Region Europas trägt die Last ihrer Vergangenheit so sichtbar wie der Westliche Balkan. Die Folgen der Jugoslawienkriege wirken bis heute nach und prägen das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Gemeinschaften.
In diesem herausfordernden Umfeld setzt Pro Peace seit 1999 auf Dialog, Erinnerung und demokratische Teilhabe. Gemeinsam mit rund 50 Partnerorganisationen arbeiten wir daran, Vertrauen zu stärken und Wege zu einem friedlicheren Miteinander zu eröffnen.
Der Völkermord in Srebrenica wird in Serbien verleugnet. Pro Peace und seine Partner halten dagegen und organisieren einmal im Jahr eine Gedenkveranstaltung in Belgrad.
Ein Raum, der keine gemeinsame Geschichte kennt
Die Kriege der 1990er und frühen 2000er Jahre haben nicht nur sichtbare Zerstörung hinterlassen, sondern auch Gesellschaften, die bis heute verschiedene Interpretationen der gemeinsamen Vergangenheit leben. Jede Bevölkerungsgruppe pflegt ihre eigene Erinnerungskultur. Eine gemeinsame Aufarbeitung findet kaum statt.
Besonders sichtbar wird das im Bildungsbereich: In Bosnien und Herzegowina etwa existieren drei unterschiedliche Geschichtslehrpläne. Viele Jugendliche lernen ausschließlich die „eigene“ Version der Vergangenheit kennen – während andere Perspektiven fehlen.
Gleichzeitig geraten zivilgesellschaftliche Akteur*innen zunehmend unter Druck: Nationalistische Narrative, mediale Hetze und bürokratische Hürden erschweren Initiativen, die sich für demokratische Teilhabe und eine verantwortungsvolle Aufarbeitung der Vergangenheit einsetzen.
Auf der Suche nach Verständigung
Und doch entstehen – oft gegen Widerstände – Orte, an denen Menschen einander über Grenzen hinweg begegnen. Beim Festival „Mirëdita, Dobar Dan“ etwa kommen Menschen aus Serbien und dem Kosovo zusammen, lernen die Kultur der jeweils „anderen Seite“ kennen und sprechen darüber, wie ein friedliches Miteinander aussehen kann.
Solche Begegnungen zeigen, was in der Region dringend gebraucht wird: Räume, in denen Vergangenheit nicht trennt, sondern zum Ausgangspunkt für Dialog wird – und in denen neue Geschichten entstehen können. Genau an diesem Punkt setzt Pro Peace an.
Junge Filmschaffende aus Nordmazedonien drehen gemeinsam einen Kurzfilm und setzen sich dabei kreativ mit der Aufarbeitung der Vergangenheit und dem Krieg von 2001 auseinander.
Wie Pro Peace Menschen und Perspektiven zusammenbringt
Seit über zwei Jahrzehnten ist Pro Peace im Westlichen Balkan aktiv. Heute sind rund 30 lokale und internationale Fachkräfte in Bosnien und Herzegowina, im Kosovo, in Montenegro und in Serbien im Einsatz.
Weil Konflikte, Erzählungen und gesellschaftliche Dynamiken nicht an Staatsgrenzen enden, verfolgen wir einen regional vernetzten Ansatz: Dabei bearbeiten wir in allen Ländern dieselben Schwerpunkte – jeweils angepasst an die lokalen Bedürfnisse und Rahmenbedingungen. Unsere Projekte entstehen gemeinsam mit Partnerorganisationen, die die Situation vor Ort genau kennen.
Was uns dabei leitet, ist eine gemeinsame Überzeugung: Es gibt keinen nachhaltigen Frieden ohne eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Frieden spenden
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Schwerpunkte von Pro Peace im Westlichen Balkan:
Friedensbildung & Stärkung junger Menschen
Lehrkräfte, Schüler*innen und junge Aktivist*innen erhalten Impulse und Werkzeuge, um Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, eigene Positionen zu hinterfragen und respektvoll mit unterschiedlichen Meinungen umzugehen. Materialien wie das Handbuch „Holocaust & Peace“, das bereits an einigen Schulen eingesetzt wird, ermöglichen offene Gespräche über Verantwortung und Erinnerung.In Sommercamps und Austauschprogrammen begegnen sich junge Menschen aus der gesamten Region – oft zum ersten Mal. Diese Erfahrungen bauen Vorurteile ab, fördern Empathie und eröffnen neue Zukunftsperspektiven.
Kunst, Kultur & Erinnerung
Wir unterstützen Künstler*innen, Kulturinitiativen und zivilgesellschaftliche Organisationen dabei, verdrängte Geschichten sichtbar zu machen und neue Perspektiven auf die Vergangenheit zu eröffnen. Durch Ausstellungen, Festivals und kreative Formate entstehen Orte, an denen schwierige Themen verständlich werden – und in denen Menschen über Grenzen hinweg ins Gespräch kommen.Ein Beispiel dafür ist die Ausstellung „Frauen geben Frieden ein Gesicht“, entwickelt mit einem Netzwerk bosnischer Frauenorganisationen. Sie zeigt eindrucksvoll, welche Rolle Frauen im Krieg, im Wiederaufbau und in lokalen Friedensprozessen gespielt haben. Andere Initiativen dokumentieren Kriegsverbrechen, halten Erinnerung wach und setzen wichtige Gegenstimmen, die das öffentliche Bewusstsein stärken.
- Medien & Öffentlichkeit
Eine vielfältige und faktenbasierte Öffentlichkeit ist entscheidend, um Polarisierung und Geschichtsrevisionismus entgegenzuwirken. Deshalb stärken wir Journalist*innen, Redaktionen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen darin, konfliktsensibel zu berichten und unterschiedliche Stimmen hörbar zu machen. Formate wie die Plattform Balkan.Perspectives, Blogs, Podcasts und Videocasts bieten kritischen Stimmen Raum – gerade dort, wo unabhängige Medien unter Druck geraten.
Zwanzig bosnische Frauen stellen in der Ausstellung "Frauen geben Frieden ein Gesicht" in großformatigen Porträts ihre Lebensgeschichten vor.
Wir bleiben – bis es gemeinsam weitergeht
Frieden entsteht nicht über Nacht. Er wächst in Klassenzimmern, in Redaktionen, auf Festivalbühnen – und in Begegnungen, in denen Menschen einander wirklich zuhören.
Gemeinsam mit unseren Partner*innen setzen wir uns dafür ein, dass solche Räume bestehen bleiben und dass die Region eine Zukunft entwickelt, die nicht länger von den Konflikten der Vergangenheit bestimmt wird.
Bitte unterstützen Sie diese Arbeit mit Ihrer Spende – damit Frieden wachsen kann: