Zweieinhalb Minuten hatten die Kandidierenden zur Beantwortung der ersten Frage von Moderator Oliver Knabe (Vorstandsvorsitzender des forumZFD): Was wollen Sie und Ihre Partei am dringendsten in der EU-Nachhaltigkeitspolitik durchsetzen? Zuerst einmal sei das auf Wachstum ausgelegte Wirtschaftssystem der EU-Mitgliedstaaten zu hinterfragen, denn dieses sei das größte Problem für die Nachhaltigkeit, legte Özlem Demirel (DIE LINKE) vor. Michael Kauch (FDP) erwiderte, dass „wir die ganze Kraft des Kapitalismus nutzen müssen, um unsere Welt nachhaltiger zu gestalten“. Einig waren die beiden sich jedoch, dass Märkte in Entwicklungsländern nicht von subventionierten Landwirtschaftsprodukten aus der EU überschwemmt werden sollten.
Auch im weiteren Verlauf bot sich den etwa 60 Gästen eine kontrovers geführte Debatte: Die EU habe bereits genug damit zu tun, die ausgemachten Klimaziele zu erreichen, stritt Axel Voss (CDU), da solle man realistisch bleiben und nicht etwa neue und noch höhere Ziele formulieren. Die CDU wolle die Ökologie mit der Ökonomie versöhnen. Alexandra Geese (Bündnis 90/Die Grünen) widersprach energisch und erinnerte daran, dass es doch die jetzigen Regierungsparteien gewesen seien, die die Pariser Klimaziele verhandelt und unterschrieben haben. Sich jetzt darüber zu beklagen, dass die Ziele unrealistisch seien, sei nicht glaubwürdig: Es müsse sich nur ernsthafter angestrengt werden.
Im letzten Teil der Podiumsdiskussion positionierten sich die Kandidierenden dann zum Aufruf „Rettet das Friedensprojekt Europa“. Claudia Walther (SPD) betonte ihre Unterstützung für die drei Forderungen, die von über 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen unterschrieben wurden. Sie sei 1982 in die SPD eingetreten, um gegen den NATO-Doppelbeschluss und Kanzler Schmidt zu protestieren und sei von dieser Erfahrung geprägt. Auch die anderen Podiumsgäste erklärten ihre Sympathie für den Aufruf, doch es entfachte eine Diskussion um die Gestaltung einer EU-Armee und das Thema Rüstungsausgaben.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion teilten sich Kandidierende und Publikum an fünf Stehtischen auf, an denen die Wählerinnen und Wähler ihre eigenen Fragen stellen konnten. Landwirtschaft, CO2-Steuer, nachhaltige Sicherheitspolitik und das Verhältnis der EU zu den USA und China – es bildeten sich vielfältige, kleine Gruppen, die so vertieft in ihre Gespräche waren, dass man sie am Ende der Zeit kaum auseinander bringen konnte. Es zeigte sich deutlich: Wahlen sind Demokratie und Demokratie ist Dialog. Der Kölner Nachhaltigkeits-Talk fördert Diskussion und Dialog in einem spannenden Format. Wir freuen uns schon auf die vierte Runde mit Ihnen!
Die Veranstaltung wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen sowie Brot für die Welt: