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Serbien: Mit Fakten gegen das Vergessen

„Bücher können die Welt vielleicht nicht direkt verändern, aber sie prägen den Blick derer, die sie verändern werden.“

Mit diesen Worten nahm Nataša Govedarica, Landesdirektorin von Pro Peace in Serbien, stellvertretend den JelenaŠantić- Preis entgegen. Ausgezeichnet wurde der Historiker Dragan Popović für sein Buch „Der Verlust der Menschlichkeit: Srebrenica als historische Tatsache“. Es ist die erste umfassende Aufarbeitung des Völkermords von Srebrenica durch einen serbischen Historiker.
Per Videobotschaft bedankte sich Dragan Popović für die Auszeichnung
© Bojan Kovačević

Dass ein solches Buch erst heute erscheint, zeigt, wie umkämpft die Erinnerung bis heute ist. 1995 ermordeten bosnisch-serbische Einheiten mehr als 8.000 Bosniaken – ein Verbrechen, das internationale Gerichte als Völkermord eingestuft haben. Doch in Serbien wird Srebrenica bis heute vielfach geleugnet oder relativiert. Schulbücher behandeln das Verbrechen kaum, staatliche Formen des Gedenkens fehlen und zivilgesellschaftliche Stimmen, die an die Opfer erinnern, geraten immer wieder unter Druck. 

Genau hier setzt Dragan Popovićs Buch an. Er rekonstruiert nicht nur den Ablauf des Verbrechens, sondern zeigt auch, welche Erzählungen bis heute genutzt werden, um den Völkermord zu leugnen, zu verharmlosen oder aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen. Damit schafft das Buch etwas, das für Frieden in der Region unverzichtbar ist: eine gemeinsame Faktenbasis, um ehrlich über das Geschehene zu sprechen. 

Nataša Govedarica, Landesdirektorin von Pro Peace in Serbien, vertrat Popović bei der Verleihung des Friedenspreises. 

Die Auszeichnung der Jelena-Šantić-Stiftung – „Brave Steps Forward“ unterstreicht diese Bedeutung. Der Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen des serbischen Zivilgesellschaft. Seit 2006 würdigt er alle zwei Jahre herausragende Persönlichkeiten und Initiativen, die sich für Frieden, Menschenrechte, Solidarität und demokratische Werte einsetzen. In seiner Videobotschaft machte Dragan Popović deutlich, dass er die Auszeichnung nicht nur als Ehre und Ermutigung, sondern auch als Verantwortung versteht. Eine Verantwortung, die weit über dieses Buch hinausreicht: Denn Versöhnung kann nur gelingen, wenn Gesellschaften bereit sind, historische Wahrheit anzuerkennen und den Opfern einen festen Platz im öffentlichen Gedenken zu geben.

Das Buch „Der Verlust der Menschlichkeit“ entstand in Kooperation mit Pro Peace in Belgrad und dem sarajevischen Verein für Neuere Geschichte UMHIS. Die englische Übersetzung steht kostenlos zur Verfügung:  www.srebrenicahistorybook.com      

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