Was Militarisierung mit unserer Generation macht
Als junge Menschen erleben wir tagtäglich, dass die Bundeswehr präsenter wird – in den sozialen Medien, auf Bildungsmessen, im öffentlichen Raum. Sie wirkt oft modern, manchmal sogar ansprechend. Aber die Botschaft dahinter irritiert uns: Es geht um Gehorsam, um klare Befehle, um Funktionieren. In der Schule wurde uns ganz anderes vermittelt: Wir sollten lernen, kritisch zu hinterfragen und uns eine eigene Meinung bilden.
Gleichzeitig beobachten wir, dass sich auch außerhalb der Politik etwas verändert: Im Internet werden traditionelle Rollenbilder wieder populärer. Emotionen gelten, besonders bei Männern, wieder eher als Schwäche. Diese Entwicklungen passen erschreckend gut zu einer stärker militarisierten Gesellschaft. Für uns fühlt es sich an, als würden wir in manchen Punkten eher zurück- als voranschreiten.
Unsere Unsicherheiten liegen woanders
Was uns besonders beschäftigt: Die Bedrohungen, die wir wahrnehmen, unterscheiden sich oft von denen, auf die die Politik reagiert. Die Sorge um unsere Demokratie ist für uns größer als die Angst vor äußeren Feinden – insbesondere mit Blick auf den Erfolg rechtsextremer Parteien. Die Bundesregierung investiert enorme Summen in die Verteidigung. Zugleich wird im sozialen Bereich oder bei der psychologischen Betreuung gespart. Das ist für uns ein Widerspruch. Für uns bedeutet Sicherheit auch, in einer Gesellschaft zu leben, in der Menschen füreinander da sind, in der man sich aufgehoben fühlt und Zukunft nicht mit Angst verbindet. Das sollte das Ziel von Sicherheitspolitik sein.
Wir glauben nicht, dass Verteidigungsfähigkeit in der heutigen Welt unangebracht und komplett überflüssig ist. Der Schutz vor Cyberangriffen und Angriffen auf die kritische Infrastruktur ist uns wichtig. Auch wir sehen, dass sich die Welt verändert hat und dass Europa Verantwortung übernehmen muss. Aber wir haben das Gefühl, dass dabei etwas verloren geht: der Blick auf das, was Sicherheit im Innersten ausmacht.
Sicherheit muss breiter gedacht werden. Nicht nur als militärische Abschreckung, sondern als Investition in Zusammenhalt, in Demokratie und in internationale Zusammenarbeit. Wir wünschen uns eine Zukunft, in der Sicherheit nicht bedeutet, sich auf den Ernstfall vorzubereiten – sondern gemeinsam daran zu arbeiten, dass er wieder unwahrscheinlicher wird.