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Der Tod Ratko Mladićs

Entscheidend ist nun, wie die Gesellschaften im westlichen Balkan mit seinem Vermächtnis umgehen

Der Tod Ratko Mladićs beendet das Leben eines der bekanntesten Kriegsverbrecher, der für während der Kriege in Bosnien und Herzegowina begangene Verbrechen verurteilt wurden. Die politischen und gesellschaftlichen Fragen, die mit seinem Vermächtnis verbunden sind, beendet es jedoch nicht.
Graffiti about Ratko Mladić
© YIHR Serbia

Mladić wurde wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verurteilt. Diese Tatsachen wurden vor internationalen Gerichten festgestellt und umfassend dokumentiert. Es geht daher nicht darum, sich erneut mit seiner Biografie zu beschäftigen. Besorgniserregend ist vielmehr, was seit seinem Tod geschieht: Es gibt Forderungen nach einem Staatsbegräbnis und Aufrufe zu öffentlicher Trauer und politische Akteur*innen, Medien und verschiedene Teile der Gesellschaft in der gesamten Region ehren Ratko Mladić als Helden. Diese Reaktionen sagen viel darüber aus, wie mehr als dreißig Jahre nach dem Krieg mit der gewaltsamen Vergangenheit des Westlichen Balkans umgegangen wird.

„Vergangenheitsaufarbeitung bedeutet nicht, Gesellschaften in der Vergangenheit gefangen zu halten. Es geht darum, festgestellte Tatsachen anzuerkennen, die Opfer zu achten und Bedingungen zu schaffen, unter denen Gewalt und Ausgrenzung nicht erneut mit denselben nationalistischen Narrativen gerechtfertigt werden“, sagt Kristen Schubert, Leiterin der Programme für den Westbalkan bei Pro Peace. „Die Reaktionen auf Ratko Mladićs Tod zeigen, warum diese Arbeit weiterhin notwendig ist. Frieden und demokratischer Wandel brauchen Raum für kritische öffentliche Debatten, Empathie für die Opfer und eine klare Ablehnung der Verherrlichung von Kriegsverbrechen.“

In Serbien haben Anhänger Mladićs öffentlich geehrt, mehrere Politiker haben ein Staats- oder Militärbegräbnis und einen Trauertag gefordert. In der Republika Srpska haben führende Politiker ihn erneut als Kommandeur gewürdigt, der für die Freiheit des serbischen Volkes gekämpft habe.

Die Bedeutung dieser Reaktionen reicht über die Frage hinaus, wie an eine einzelne Person erinnert wird. Sie betreffen Überlebende und Angehörige der Opfer, Rückkehrer*innen sowie Gruppen, die weiterhin mit konkurrierenden und oft gegenseitig ausschließenden Darstellungen der Kriege leben. Sie zeigen auch, dass die Leugnung und Relativierung der Verbrechen sowie die Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher weiterhin Teil der heutigen politischen Realität sind.

„Die Verherrlichung Ratko Mladićs ist kein Randphänomen. Sie ist institutionalisiert und wird von politischen Akteur*innen in Serbien und der Republika Srpska getragen, die einen verurteilten Kriegsverbrecher weiterhin als Helden darstellen und den Völkermord in Srebrenica leugnen oder relativieren. Weil die Institutionen nicht konsequent gegen die Leugnung des Völkermords und die Verherrlichung von Kriegsverbrechern vorgehen, konnten sich diese Narrative normalisieren. Mladićs Tod löst dieses Problem nicht, denn die politischen Narrative, die um ihn herum aufgebaut wurden, sind weiterhin sehr präsent“, sagt Denis Džidić, Balkan Investigative Research Network (BIRN) Bosnien und Herzegowina.

Für zivilgesellschaftliche Akteur*innen in Serbien beendet Mladićs Tod die Debatte über sein Vermächtnis nicht. Die zentrale Frage ist, wie sich die serbische Gesellschaft und ihre Institutionen mit den Verbrechen, für die er verurteilt wurde, sowie mit deren fortgesetzter Leugnung und Verherrlichung auseinandersetzen.

„Die Frage bleibt, wie wir uns an die Verbrechen, für die Ratko Mladić verurteilt wurde, erinnern und wie wir uns dazu positionieren. In Serbien sind die Leugnung und Verherrlichung von Kriegsverbrechern Teil der offiziellen Staatspolitik geworden, und wir halten das für äußerst besorgniserregend. Die Vergangenheit ist zwar immer die Geschichte, die wir uns selbst erzählen, aber die Tatsachen lassen sich nicht ungeschehen machen. Dieses Vermächtnis wird fortbestehen und künftigen Generationen, die das vorherrschende Narrativ infrage stellen möchten, als Grundlage dienen“, betont Sofia Todorović, Youth Initiative for Human Rights (YIHR) Serbien.

Mladićs Tod wird unweigerlich schmerzhafte Erinnerungen wieder aufleben lassen. Für die Region stellt sich die Frage, was nun mit diesen Erinnerungen geschieht: ob sie zur Vertiefung von Spaltung und Leugnung genutzt werden oder dazu, eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und die Verantwortung für die Verhinderung weiterer Gewalt zu stärken.

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