Du engagierst dich seit vielen Jahren gemeinnützig. Bist du ein Gutmensch?
Mein bester Freund nennt mich manchmal so. Bei dem Wort schwingt so ein Heile-Welt-Glaube mit. Aber gerade bei Kindern können wir doch nicht genug Gutes säen, insbesondere wenn die Welt drumherum so hässlich ist. Ich würde sagen: Ich möchte ein Gutmensch für Kinder sein.
Was treibt dich an?
Ich greife immer wieder auf das zurück, was ich selbst als Kind gehört habe. In meiner Familie sind wir jeden Sonntag in die Kirche gegangen und Sätze wie „Der Friede sei mit dir“ habe ich verinnerlicht. Nicht, dass aus Glaubensgründen noch nie ein Krieg entstanden ist, im Gegenteil. Aber dennoch hat mich dieses christliche Ideal geprägt, vor allem die Geschichten von Jesus, der auf Gewalt und Hass mit Liebe antwortet. Nach der Schule habe ich mich für den Zivildienst entschieden. Als mein Einberufungsbescheid kam, habe ich ganz unbedarft beim Kreiswehrersatzamt angerufen und gesagt, das würde mir gar nicht passen, ich hätte eine Reise geplant und wolle ja eh verweigern. Mann, hat der Soldat mich durchs Telefon angeschrien (lacht).
„Der Frieden ist ausgebrochen“
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Du hast ein Kinderbuch mit dem Titel „Der Frieden ist ausgebrochen“ geschrieben. Wie ist die Idee entstanden?
Das war kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Meine jüngste Tochter kam nach Hause und sagte: „Papa, im Kindergarten haben sie gesagt, da ist was ausgebrochen, aber ich weiß nicht, was.“ Der Krieg hatte selbst diesen letzten paradiesischen Ort, den Kindergarten, erfasst. Ich wusste zuerst gar nicht, was ich sagen sollte, denn ich war selbst völlig geschockt. Die Antwort war dieses Buch.
Und wie erklärst du darin, was Frieden ist?
Mit ganz einfachen Worten und Bildern. Zum Beispiel: „Frieden ist so, wie es sich anfühlt, wenn du auf meinem Schoß sitzt und dich sicher und geborgen fühlen kannst.“ Ich glaube, wenn Erwachsene mit Kindern über so beängstigende Themen wie Krieg sprechen, braucht es sowohl Ehrlichkeit als auch einen klaren Filter, denn wir können Kindern nicht alles zumuten. Und sie müssen merken, dass sie selbst etwas tun können – etwa eine Taube auf ein weißes Tuch malen und aus dem Fenster hängen. Schon so kleine Dinge machen Mut, denn dann sitzen wir nicht hilflos herum.
Du hast die Petition „Frieden in den Lehrplan“ unterzeichnet. Warum gehört das Thema in die Klassenzimmer?
Wenn die Familie die kleinste Demokratie der Welt ist, ist die Schulklasse die zweitkleinste. Die Kinder bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit, manche sind selbst vor Krieg geflohen, für andere ist das Thema weit weg. Es ist total wichtig, dass in der Schule Platz ist, darüber zu sprechen. Im besten Fall gelingt es, Gräben zu überwinden und den Kindern die Haltung mitzugeben: Es ist zwar mühsam, einen friedlichen Ausweg zu finden – draufzuhauen ist immer einfacher –, aber es lohnt sich. Ich denke, das ist ein ganz wichtiges Fundament. Wenn ein Donald Trump oder auch manch anderer in jungen Jahren etwas mehr davon inhaliert hätte, sähe die Welt vielleicht anders aus.
Petition: Frieden in den Lehrplan
Wir fordern mehr Friedensbildung an Schulen, damit junge Menschen eine friedliche Zukunft aktiv mitgestalten können.
Kriege, Krisen, Klimawandel: Das macht auch vielen Erwachsenen Angst. Was können wir vom Blick der Kinder lernen?
Auf meinen Reisen habe ich Menschen getroffen, die im Krieg alles verloren haben. Einmal erzählte mir ein zwölfjähriges syrisches Mädchen, wie sie sich zum Schlafen immer schwarz angezogen hat. Ich habe das zuerst gar nicht verstanden. Sie erklärte: „Wenn die Bombardements losgingen, mussten wir aus dem Haus rennen, und so konnten uns die Scharfschützen schlechter sehen.“ Das hat mich unglaublich traurig gemacht. Krieg kommt aus der Erwachsenenwelt – Kinder haben da überhaupt keinen Bock drauf. Und gleichzeitig haben sie so einen herrlichen Idealismus. Ich habe viele Filme für die Sternsinger gedreht. Wenn Kinder hierzulande das sehen, wollen sie oft direkt losziehen und Spenden sammeln, damit es Gleichaltrigen an anderen Orten der Welt besser geht. Das ist vielleicht etwas naiv, aber es spricht mir aus der Seele. Ich sage ihnen: „Ich weiß nicht, ob du die ganze Welt verbessern kannst, aber für diesen einen Menschen rettest du die Welt.“
In deinem neuen Bühnenprogramm geht es um Träume. Welche Träume begegnen dir dabei?
Ich frage am Anfang immer ins Publikum: „Wovon träumst du?“ Es gab noch keinen Auftritt, bei dem nicht entweder ein Kind oder ein Erwachsener den Traum vom Frieden genannt hat. Das ist eine Sehnsucht, die in uns allen steckt, ob groß oder klein. Und das Gute an Träumen ist: Erst sind sie im Kopf, dann im Herzen und dann tun wir alles dafür, damit sie Wirklichkeit werden.
Willi live „Und wovon träumst du?“
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